Zahnbehandlung bei Pferden

Wie sehen gesunde und ausbalancierte Pferdezähne aus?

Um beurteilen zu können, ob die Zähne erkrankt oder unausbalanciert sind, muss man wissen, was normal und gewünscht ist. 

Hierzu ein kurzer Überblick:

Backenzähne

  • Die Kronen der Backenzähne (der Teil, der aus dem Zahnfleisch schaut) sollte bei jedem Zahn gleichmäßig hoch sein
  • Bei den Querleisten sollten die “Berge und Täler” höchstens einen Höhenunterschied von 1-2 Millimetern haben
  • Der Winkel der Kaufläche sollte an beiden Seiten gleich sein und liegt physiologisch meist bei etwa 15 Grad (hier gibt es Rasse- und altersabhängige Unterschiede) 
  • Es sollten keine scharfen Kanten oder Spitzen vorhanden sein
  • Die Zahnzwischenräume sollten komplett geschlossen und ohne Futtereinspießungen sein

Schneidezähne

  • Die Schneidezähne sollten in einer geraden horizontalen Linie stehen
  • Der Unterkiefer sollte mittig zum Oberkiefer stehen
  • Der Winkel der Kaufläche sollte zum Kiefergelenk zeigen
  • Es sollten keine Rötungen am Zahnfleisch vorhanden sein
  • Die Wurzelbereiche sollten keine Verdickungen aufweisen
  • Es sollten keine Schärfen oder Spitzen vorhanden sein

Warum ist eine regelmäßige Zahnbehandlung bei jedem Pferd wichtig?

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass alles in Ordnung ist, wenn ein Pferd keinerlei Probleme zeigt, sprich gut frisst, nicht abgemagert ist und keine Rittigkeitsprobleme hat. Das stimmt nicht! Bei circa 80 % der Pferde mit massiven Zahnproblemen, bekomme ich vom Besitzer die Rückmeldung, dass er keinerlei Symptome bemerkt hat! Eine regelmäßige Kontrolle von einem Fachmann ist daher sehr wichtig.

Scharfe Zahnkanten

Beim Pferd schieben die Zähne jedes Jahr einige Millimeter aus der Alveole heraus und diese Millimeter werden auch wieder abgerieben. Dadurch, dass der Unterkiefer schmaler ist als der Oberkiefer und die Zähne seitlich gefaltet sind, bleiben oben Außen und unten Innen scharfe Zahnkanten stehen. Umgangssprachlich werden sie als Haken bezeichnet. Diese Schärfen führen häufig zu Verletzungen an der Backenschleimhaut oder der Zunge.

Massive Verletzungen an der Zunge durch Schärfen
Verletzung an der Backe durch Schärfen

Balance

Backenzähne

Nicht bei allen Pferden stehen die Zähne im Ober- und Unterkiefer korrekt aufeinander. Dadurch werden bestimmte Bereiche nicht abgerieben und es entstehen sogenannte Haken und Rampen. Diese führen häufig zu Rittigkeitsproblemen wie Kopfschlagen, gegen die Hand gehen oder Steigen, da der Unterkiefer durch die Höhenunterschiede in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist. Auch können Schmerzen im Kiefergelenk entstehen.

Oberkieferbackenzahn mit Haken
Unterkieferbackenzahn mit massivem Haken
Meißelzahn

Es gibt noch viele andere mögliche Befunde an der Balance der Backenzähne, wie zum Beispiel ein Wellengebiss, ein Scherengebiss und so weiter. Auch für die Langlebigkeit des einzelnen Zahnes ist es wichtig, dass alle Zähne gleichmäßig hoch sind. Zu hohe Zähne werden beim Kauen überlastet und lockern sich dann über die Jahre. Auch reiben sie den kürzeren Gegenspieler immer mehr ab, der dann im Alter schon viel zu früh keine Oberflächenstruktur mehr hat. Die Folge ist, dass das Pferd das Heu nicht mehr zerkleinern kann und ohne die Zufütterung von Brei abmagert. Eine regelmäßige Zahnbehandlung ist somit auch eine Investition auf lange Sicht, damit die Pferde auch im Alter noch gut fressen können.

Schneidezähne

Bei den Schneidezähnen ist ein weit verbreiteter Befund, dass die Schneidezähne zu lang sind. In der freien Wildbahn beißen die Pferde so ziemlich alles was sie mit ihren Backenzähnen kauen erstmal mit den Schneidezähnen ab. Dadurch werden die Schneidezähne abgenutzt. Bei unseren Hauspferden wird aber beim kompletten Raufutter und auch beim Kraftfutter nicht abgebissen und nur die Backenzähne benutzt. Dadurch werden die Schneidezähne zu wenig abgenutzt und sie werden im Verhältnis zu den Backenzähnen zu lang. Diese Überlänge bedeutet eine Überlastung des Halteapparats der Schneidezähne und des Kiefergelenks. Sie sollten daher regelmäßig gekürzt werden.

Es gibt auch noch alle möglichen Schiefen, Wellen und Haken im Bereich der Schneidezähne, die sich negativ auf die Balance auswirken.

Schneidezähne mit schiefer Ebene vor der Behandlung
Schneidezähne nach der Behandlung

Ab welchem Alter und wie oft sollte eine Zahnbehandlung durchgeführt werden?

Im Alter von 2,5 Jahren beginnt der Zahnwechsel. Zu diesem Zeitpunkt sollte auch idealerweise mit den Zahnbehandlungen begonnen werden. Davor wird eine Behandlung nur empfohlen, wenn deutliche Stellungsanomalien vorliegen. Bis der Zahnwechsel abgeschlossen ist, werden halbjährliche Kontrollen empfohlen, da gerade beim Zahnwechsel gerne mal etwas schief läuft.

Hier sieht man zum Beispiel, dass ein Milchzahn noch hinter den bleibenden Zähnen vorhanden ist. Das stört und der Milchzahn sollte entfernt werden.

Mit 5 Jahren sollte dann der Zahnwechsel abgeschlossen sein und wenn keine besonderen Befunde vorliegen, kann dann in den jährlichen Rhythmus gewechselt werden. Sobald das Pferd dann ein Senior wird, nehmen häufig die Zahnprobleme wieder zu. Das Parodontose Risiko steigt, die ersten Zähne werden so langsam locker und die Kaufläche ist immer mehr abgenutzt. Dann macht bei vielen Pferden wieder eine etwas engmaschigere Behandlung, je nach Zustand alle 4-12 Monate, Sinn.  

Das Ergebnis einer 

Zahnbehandlung

Hier eine kleine Bilderserie von einem Senior vor meiner ersten Zahnbehandlung mit der Entwicklung über 9 Monate. Ich habe insgesamt 4 lockere Backenzähne gezogen, an der Balance gearbeitet, Schärfen berundet und eine Fütterungsberatung für Pferde mit Zahnproblemen durchgeführt.

Meine Qualifikation

Ich bin Tierärztin mit zusätzlicher Prüfung zum Pferdedentalpraktiker nach IGFP. Seit über 10 Jahren bin ich auf die Routine-Zahnbehandlung beim Pferd spezialisiert und behandele um die 600 Pferde im Jahr als Pferdezahnarzt. Durch regelmäßige Pferdezahn-Fortbildungen halte ich mich immer auf dem neusten Stand. Weitere Informationen über meine absolvierten Fortbildungen finden Sie unter Über mich.

Ablauf der Behandlung

Voruntersuchung

Um sicher zu stellen, dass Ihr Pferd gesund ist und sediert werden kann, führe ich vor jeder Sedation eine allgemeine Untersuchung durch. Dabei wird Fieber gemessen, Herz, Lunge und Darmgeräusche abgehört und die Lymphknoten kontrolliert.

Sedation

So lange keine gesundheitlichen Probleme dagegen sprechen, sediere ich alle Pferde zur Zahnbehandlung. Nur so kann mit eingelegtem Maulgatter, ausgespültem Maul und Zahnspiegel wirklich gründlich untersucht und behandelt werden. 

Ich bin Tierärztin und darf selbst sedieren. Das hat den Vorteil, dass ich zu Beginn nicht ganz so tief sedieren muss und zwischendurch nachsedieren kann, so dass ihr Pferd jederzeit möglichst sicher steht. 

Danach werden die Backenzähne und die Schneidezähne ausbalanciert und, falls vorhanden, Parodontaltaschen gereinigt und Zahnstein entfernt.

Gründliche Untersuchung des Pferdemauls mit Mulgatter

Hinweise für Probleme im Maul

  • Wickelkauen, herausfallen von Kraftfutter, Heu wird nur zögerlich gefressen
  • Inappetenz und Abmagerung
  • Rittigkeitsprobleme wie Stellungs- und Biegungsschwierigkeiten
  • Probleme bei der Beizäumung, vermehrtes, einseitiges oder fehlendes Speicheln
  • heraushängende Zunge
  • Unverdaute Futterreste in den Pferdeäpfeln
  • Unangenehmer Geruch aus dem Maul

Meine Ausrüstung

An Ausrüstung habe ich sowohl ein Dentalhalfter zum Aufhängen, als auch einen Kopfständer, falls keine Möglichkeit zum Aufhängen besteht. 

Ich arbeite generell elektrisch mit sehr hochwertigen Maschinen, damit alles möglichst angenehm und schnell für Ihr Pferd vonstatten geht. 

Vom Mini-Shetty bis zum Kaltblut bin ich gut ausgestattet und auch Esel sind willkommen.

Preise

  • Der Preis richtet sich nach dem Arbeitsaufwand im Maul und liegt bei circa 80% der Pferde zwischen 130 und 170 Euro (inkl. MwSt) für eine Routine Zahnbehandlung. Dies beinhaltet die allgemeine Untersuchung und die Injektion. Bei überdurchschnittlich hohem Arbeitsaufwand durch zum Beispiel ausgeprägte Dysbalancen oder durch Säubern von Parodontaltaschen auch bis zu 40 Euro mehr.
  • Sollten Extraktionen oder zusätzliche Medikamente notwendig sein, werden diese extra berechnet.
  • Das Sedierungsmittel kommt hinzu und liegt zwischen 3 Euro bei einmaliger Sedation bei einem Mini und 30 Euro (inkl. MwSt) bei einem Großpferd, das eine Elefantendosis mit Nachsedieren braucht. 
  • Wenn nur ein Pferd am Stall behandelt werden soll, berechne ich 30 Euro (zzgl. MwSt) extra für den Zeitaufwand des Auf- und Abbauens der Ausrüstung.
  • Zuzüglich Anfahrtskosten nach GOT. Diese liegen seit Februar 2020 gesetzlich vorgeschrieben bei 3,50 Euro (zzgl. MwSt) pro Doppelkilometer.